Wintersemester 2017/18

Vorlesung

Einführung in die strukturelle Analyse der nordischen Sprachen

Bachelorvorlesung (alte FPO: SW 1.2/3, muss in Kombination mit dem dazugehörigen Proseminar besucht werden; neue FPO: BA Skandinavistik SW 1.1, BA Dänisch SW 1.1).

Das Modul SW 1 (neue FPO) umfasst eine Vorlesung (SW 1.1) und ein Proseminar (SW 1.2), die inhaltlich und organisatorisch miteinander verzahnt sind und im gleichen Semester belegt werden müssen. Die Abschlussklausur bezieht sich sowohl auf die Vorlesung als auch auf das Proseminar. Studierende im BA Dänisch belegen das dänischsprachige Proseminar, Studierende im BA Skandinavistik können entweder das dänischsprachige oder das deutschsprachige Proseminar besuchen.

Voraussetzungen zur Teilnahme sind im BA Skandinavistik die bestandenen Module S 1 und S 2 der Wahlsprache, im BA Dänisch Sprachkenntnisse wie nach S 2 Dänisch.

Dieses Modul führt Sie in die Grundlagen der skandinavistischen Linguistik ein, die in den folgenden Modulen weiter ausgebaut und vertieft werden. Am Anfang stehen dabei grundsätzliche Fragen: Was ist Sprache überhaupt? Mit welchen Sprachen beschäftigt sich die Skandinavistik? Warum sprechen wir eigentlich, was wollen wir damit erreichen, und wie tun wir das? Wie funktioniert Linguistik als Wissenschaft, was können wir überhaupt herausfinden, und wie können wir das erreichen?

Zu Beginn setzen Sie sich mit kommunikativen und semiotischen Grundlagen der Linguistik auseinander. Im Fokus steht dann die linguistische Analyse sprachlicher Strukturen. Sie lernen Begriffe und Verfahrensweisen kennen, mit denen Sie solche Strukturen ermitteln, beschreiben und analysieren können – auf lexikalischer, grammatischer und lautlicher Ebene. Dabei geht es immer sowohl um die Form der jeweiligen Strukturen (wie wird etwas ausgedrückt?) als auch um ihre Bedeutung oder Funktion (was wird ausgedrückt?).

Zu diesem Modul gehört auch ein Tutorium (ohne Anwesenheitspflicht), in dem Sie Gelegenheit haben, offene Fragen zu klären.

Seminare

Einführung in das Altschwedische

Bachelorseminar (alte FPO: SW 2.2; neue FPO: BA Skandinavistik SW 2.2, BA Dänisch SW 2.2)

Das Seminar im Modul SW 2.2 ersetzt für Studierende nach alter Fachprüfungsordnung die Einführung in die diachrone Sprachwissenschaft, die nicht mehr angeboten wird. Studierende nach alter Fachprüfungsordnung schließen das Seminar mit einer Klausur ab.

Studierende, die sich außerhalb des Curriculums für das Altschwedische (als Beispiel einer alt[ost]nordischen Sprachstufe) interessieren, sind natürlich willkommen.

Während das heutige Isländische noch starke Ähnlichkeiten zum klassischen literarischen Altisländischen aufweist, begegnen wir im schwedischen Mittelalter einer Sprachform, die vom heutigen Schwedischen weit entfernt ist. Dieser Sprachstufe, dem Altschwedischen (üblicherweise angesetzt zwischen 1225 und 1526), nähern wir uns in diesem Seminar aus linguistischer Perspektive an.

Dabei liegt der Fokus – ausgehend von der Auseinandersetzung mit Originaltexten – zum einen auf den lautlichen und grammatischen Strukturen des Altschwedischen, zum anderen auf der sozio- und kontaktlinguistisch komplexen Situation: Das mittelalterliche Schweden ist ein Einwanderungsland, in dem unterschiedliche soziale Gruppen zu verschiedenen Zwecken verschiedene Sprachen verwenden, die alle miteinander interagieren. Das bleibt sprachlich nicht ohne Folgen, die schon in der altschwedischen Periode selbst zu besichtigen sind, und zwar auf den verschiedensten Ebenen: in Lexikon und Grammatik ebenso wie etwa in Entstehung und Wandel von Texttypen. Die sprachgeschichtlichen Entwicklungen, die hier einsetzen, bleiben in Teilen bis in die Gegenwart sichtbar.

Interkommunikation im Norden

Bachelor- und Masterseminar (alte FPO: SW 3, SW 4, SW 5.1/2, SW 6.2/3, SW 7.1/2; neue FPO: BA Skandinavistik SW 3; BA Dänisch SW 3; MA Skandinavistik SW 5.2, SW 7; MEd Dänisch ME SW 5).

Als Interkommunikation lassen sich verschiedene Formen von Kommunikation zwischen Sprechern zusammenfassen, die dabei unterschiedliche Sprachen bzw. Varietäten verwenden. Im Norden sind unterschiedliche Typen von Interkommunikation historisch und im Gegenwartsalltag präsent – von der hansezeitlichen Kommunikation zwischen Deutschen und Festlandskandinaviern über die interskandinavische Kommunikation bis zur interdialektalen Kommunikation im Norwegischen.

Erfolgreiche Interkommunikation ist an eine Reihe sprachsozialer und struktureller Voraussetzungen gebunden. Erforderlich ist vor allem, dass die Sprecher gemeinsame kommunikative Ziele verfolgen, dabei aber eine gemeinsame Sprache als Kommunikationsmittel entweder nicht besitzen oder nicht präferieren. Je nach Ausgangslage greifen dann unterschiedliche interkommunikative Mechanismen und Strategien, z. B. Semikommunikation, rezeptive Mehrsprachigkeit, Zweitspracherwerb, Akkommodation oder Kreolisierung.

Im Seminar setzen wir uns einerseits mit interkommunikativen Szenarien im Norden auseinander, andererseits werfen wir einen sprach- und kommunikationstheoretischen Blick auf verschiedene Typen von Interkommunikation.

Sprachliche Form zwischen Arbitrarität und Motiviertheit

Masterseminar (alte FPO: SW 4, SW 5.1/2, SW 6.2/3, SW 7.1/2; neue FPO: MA Skandinavistik SW 4, SW 6; MEd Dänisch ME SW 4.1).

Die Arbitrarität sprachlicher Form zählt seit Saussure zum Kernbestand linguistischer Grundannahmen. Demnach sind Ausdrucks- und Bedeutungsseite sprachlicher Einheiten einander im Prinzip willkürlich zugeordnet (z. B. hus ‚Haus‘). Formen, die nicht (völlig) arbiträr sind – zum Beispiel bei Onomatopoetika (wie mjav ‚miau‘) gelten dagegen als sprachliche Randphänomene.

Allerdings häufen sich in verschiedenen Bereichen linguistischer Forschung die Hinweise darauf, dass diese Sicht verzerrt ist und sprachliche Form deutlich stärker durch semantische oder funktionale Aspekte motiviert ist als klassisch angenommen. Das betrifft etwa die folgenden Bereiche: (a) Lautliche Ähnlichkeiten zwischen Wörtern über Sprachgrenzen hinweg sind in einigen Bereichen überraschend groß (etwa bei Pronominalformen auf m- und t- oder wie bei der Diskurspartikel hä); (b) semantisch ähnliche Morpheme innerhalb von Sprachen weisen häufig lautliche Gemeinsamkeiten auf (z. B. sogenannte Phonästheme wie sm-, das in den nordischen Sprachen auf Bedeutungen im Kontext des menschlichen Mundes verweist); (c) die Form morphologischer und syntaktischer Einheiten spiegelt häufig bestimmte Aspekte der Bedeutung wider (Ikonizität). Solche Befunde führen dazu, dass manche Ansätze heute im Kontrast zur strukturalistischen Tradition gerade die Motiviertheit sprachlicher Form in den Mittelpunkt stellen, z. B. die gebrauchsbasierte Konstruktionsgrammatik.

Im Seminar setzen wir uns anhand unterschiedlicher theoretischer Perspektiven mit dem Spannungsfeld zwischen Arbitrarität und Motiviertheit sprachlicher Form auseinander und entwickeln empirische Ansätze zur Untersuchung relevanter Fälle in den nordischen Sprachen.

Eigenständige Lektüren

Synchrone/Diachrone Sprachwissenschaft

Master (alte FPO: SW 7.3 und 7.4).

Mit den eigenständigen Lektüren üben Sie, sich zwar mit Anleitung, aber in eigener Verantwortung in begrenzte thematische Bereiche einzuarbeiten – eine Schlüsselqualifikation für das wissenschaftliche Arbeiten.

In diesem Fall bearbeiten Sie zwei selbst gewählte Themen aus diachroner bzw. synchroner Perspektive. Geeignete Bereiche, aus denen Sie sich zwei Schwerpunktthemen erarbeiten können, werden gemeinsam mit ersten Literaturhinweisen vorgegeben. Nach Absprache sind auch andere Themen möglich.

Die eigenständigen Lektüren werden mit einer übergreifenden mündlichen Prüfung auf der Grundlage eines Thesenpapiers abgeschlossen, das Sie in Absprache mit mir rechtzeitig einreichen.