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Vortrag: Monolinguale Irrtümer: Zwei grammatische Kontaktmerkmale in deutsch-dänischen Dialekten und was man von ihnen lernen kann

Am 13. Juni (16.15 Uhr, LS10 401/2) halte ich einen Vortrag im Sprachwissenschaftlichen Kolloquium mit dem Titel Monolinguale Irrtümer: Zwei grammatische Kontaktmerkmale in deutsch-dänischen Dialekten und was man von ihnen lernen kann. Dabei geht es um einen Aspekt der Arbeit im GrammArNord-Projekt, nämlich Reflexe von Sprachkontakt in der Grammatik von Dialekten, die in einer traditionellen Sprachkontaktzone gesprochen werden, also in einem mehrsprachigen Kontext. Solche Dialekte – in diesem Fall das schleswigsche Niederdeutsch und das südlichste Südjütisch – werden häufig aus der Perspektive der einzelsprachlichen Dialektologien gewissermaßen durch die monolinguale Brille betrachtet. Dadurch erscheinen strukturelle Merkmale als vergleichsweise exotisch oder werden in ihrer Funktion und ihrer Entstehung falsch interpretiert, die sich aus einer kontaktlinguistischen bzw. arealen Perspektive sinnvoller beschreiben lassen. Im Vortrag gehe ich auf zwei solcher Merkmale ein.

Vortrag: südjütische Wenkerbögen

Hoxtrup 1In der Kolloquiumsreihe des Zentrums für kleine und regionale Sprachen (KURS) an der Europa-Universität Flensburg halte ich am 13. 12. 2017 einen Gastvortrag mit dem Titel Schlechte Sprache, schlechte Daten – oder was? Südschleswiger Jütisch in deutschen Dialekterhebungen des 19. Jahrhunderts. Dabei geht es noch einmal (wie schon hier) um die südjütischen Wenkerbögen, die als Teil von Georg Wenkers Datenerhebungen für den Sprachatlas des Deutschen Reichs entstanden sind. Die dänische Dialektologie beurteilt den Quellenwert dieser Daten traditionell skeptisch und betont die methodischen Probleme, die sich bei der Anwendung auf die südjütischen Dialekte aus der Konzeption für deutsche Dialekte, aus der Übersetzung durch die Informanten sowie aus der Transkription durch häufig nicht dänischsprachige linguistische Laien ergeben. In meinem Vortrag diskutiere ich diese Probleme, zeige auf der Grundlage einer Studie von Höder & Winter (i. Vorb.) aber auch, dass die Daten dennoch nicht wertlos sind, sondern zumindest bei einigen grammatischen Merkmalen den damaligen Dialektstand authentisch abbilden. Damit stellen sie auch für künftige Forschung interessantes Untersuchungsmaterial dar.

Vortrag: Wenker-Sätze (Marburg)

südjütischer Wenker-Bogen von Hoxtrup (heute Gemeinde Viöl, Kreis Nordfriesland, Schleswig-Holstein)Die Dialekterhebungen Georg Wenkers Ende des 19. Jahrhunderts (1876–1887) gelten als Pionierleistung der deutschen Dialektologie. Wenker ermittelte über an die Lehrer in den Schulorten des damaligen Deutschen Reichs verschickte Fragebögen (die sogenannten Wenker-Bögen) dialektale Übersetzungen standarddeutscher Beispielsätze, aus denen er dann die geographische Verteilung bestimmter Merkmale in den deutschen Dialekten ableitete. Seine Ergebnisse sind bis heute für die deutsche Dialektologie relevant.

Weniger bekannt ist, dass Wenker neben den deutschen auch die nicht-deutschen Dialekte auf damals deutschem Territorium in seine Untersuchung einbezog. Folglich gibt es Wenker-Bögen auch in einer Reihe von Minderheitensprachen, darunter auch Dänisch auf dem Gebiet des ehemaligen Herzogtums Schleswig (heute Südjütland und das nördliche Schleswig-Holstein). Weil diese nicht-deutschen Bögen bisher in der Forschung kaum beachtet worden sind, hat sich nun eine Tagung in Marburg (29. 2.–3. 3. 2016) diesem Thema gewidmet, bei der Christoph Winter und ich einen Vortrag zum Wert und zur Plausibilität der südjütischen Wenker-Bögen beigetragen haben (Deutsches im Südjütischen, Südjütisch im deutschen Dialektatlas. Zur Plausibilität der südjütischen Wenker-Materialien). Dabei konnten wir zeigen, dass die Wenker-Bögen im Hinblick auf im Sprachkontakt zum Deutschen relevante (morpho-)syntaktische Merkmale durchaus sinnvolle Analysen erlauben, und zwar trotz aller Vorbehalte, die man aus anderen Perspektiven gegen diese Materialien anführen muss.