Schlagwort-Archive: Phonologie

Masterarbeit: schwedischer Akzent im Deutschen

Einen schwedischen Akzent im Deutschen zu erkennen fällt Sprechern, die mit beiden Sprachen vertraut sind, häufig recht leicht; zu benennen, woran man ihn erkennt, ist dagegen ungleich schwerer. Katharina Micheel hat in ihrer Masterarbeit die deutsche und die schwedische Phonologie miteinander verglichen und vor diesem Hintergrund die deutsche Aussprache bei L2-Sprechern mit schwedischer Erstsprache analysiert, und zwar sowohl bei Sprechern in Deutschland mit recht hohem Kompetenzgrad als auch bei Sprechern in Schweden, die im L2-Erwerb weniger weit fortgeschritten sind.

Dabei zeigt sich, dass nicht-zielsprachliche Aussprache wie erwartet vor allem dort auftritt, wo größere Unterschiede in der Phonologie bestehen. Das betrifft zum einen Segmente – die Vokalqualitäten, die stimmlosen Frikative, das stimmhafte [z], Affrikaten wie [ts] und [pf] – aber auch größere lautliche Einheiten, etwa wenn die Probanden Affixe wie -el oder -en schriftnah als Verbindungen von [ə] und Konsonanten realisieren und nicht zielsprachlich korrekt mit den silbischen Konsonanten [l̩ m̩ n̩ ŋ̩]. Insgesamt zeigt sich auch, dass die untersuchten Probanden im Vergleich zu früheren Studien mehr und andere Abweichungen von der zielsprachlichen Norm produzieren – hier lässt sich über Ursachen bislang nur spekulieren.

Neuerscheinung: Phonological elements and Diasystematic Construction Grammar

Neues zur Diasystematischen Konstruktionsgrammatik: In Constructions and frames 6 ist ein Artikel von mir erschienen, der sich damit befasst, welche Funktion phonologische Elemente im Sprachwissen Mehrsprachiger besitzen und wie diese Funktion im Rahmen der DCxG modelliert werden kann. Dabei geht es zwangsläufig zugleich auch um eine generelle Positionsbestimmung: Wie kann die Konstruktionsgrammatik phonologischen Phänomenen besser als bisher gerecht werden? Gerade die Analyse komplexerer morphophonologischer Zusammenhänge bietet dabei wertvolle Anhaltspunkte für die Rolle phonologischer Elemente im Sprachkontakt. Dabei lassen sich regelhafte Korrespondenzen zwischen lautlichen Strukturen mithilfe sogenannter phonological language markers fassen, die Konstruktionsstatus haben.

Höder, Steffen. 2014. „Phonological elements in Diasystematic Construction Grammar“. Constructions and frames 6, 202–231. Academia.edu DOI Abstract

Usage-based CxG approaches share the central assumption that any grammar has to be acquired and organised through input-based abstraction and categorisation. Diasystematic Construction Grammar (DCxG) is based on the idea that these processes are not sensitive to language boundaries. Multilingual input thus results in multilingual grammars which are conceived of as constructicons containing language-specific as well as language-unspecific constructions. Within such systems, phonological structures play an important part in the identification of schematic constructions. However, the status of phonology in DCxG, as in CxG in general, yet remains unclear. This paper presents some arguments for including phonological elements systematically in the construction-based analysis of (multilingual) constructional systems.

Neuerscheinungen 2014

Der Beitrag Constructing diasystems. Grammatical organisation in bilingual groups gibt eine Einführung in die Grundlagen der Diasystematischen Konstruktionsgrammatik und thematisiert dabei vor allem die Notwendigkeit eines grammatiktheoretischen Ansatzes, der Mehrsprachigkeit (jedenfalls in einem weiten Sinne) in den Mittelpunkt stellt. (Mehr …)

Höder, Steffen. 2014. „Constructing diasystems. Grammatical organisation in bilingual groups“. In: Tor A. Åfarli & Brit Mæhlum (Hgg.), The sociolinguistics of grammar (Studies in language companion series 154), Amsterdam/​Philadelphia: Benjamins, 137–152.

In Low German: A profile of a word language (ein ursprünglich schon 2011 entstandener Artikel) geht es um die Einordnung des Nordniederdeutschen aus dem Blinkwinkel der Typologie von Wort- und Silbensprachen. Das Niederdeutsche wird dabei als Sprache beschrieben, in der das phonologische Wort die zentrale Rolle spielt. Aus nordischer Perspektive sind dabei vor allem die suprasegmentalen Eigenschaften interessant, weil das Nordniederdeutsche ein Merkmal besitzt, das dem südjütischen Tonakzent ähnelt.

Höder, Steffen. 2014. „Low German: A profile of a word language“. In: Javier Caro Reina & Renata Szczepaniak (Hgg.), Syllable and word languages (Linguae & litterae 40), Berlin/New York: de Gruyter, 305–326.