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Gastvortrag (Lars Zeige, HU Berlin): Nordeuropa in Sprachkarten. Anfänge und Motive

Am 13. und 14. 1. ist Lars Zeige zu Gast in der Kieler Skandinavistik. Lars Zeige ist Germanist und Skandinavist und vertritt in diesem und dem kommenden Semester die Professur für skandinavistische Sprachwissenschaft am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin.

Bei uns hält er am Sonnabend, 14. 1., 15.35 Uhr im Rahmen des Linguistischen Workshops in diesem Semester zum Thema Nordeuropa in Sprachkarten. Anfänge und Motive, der sich aus fachgeschichtlicher Perspektive mit sprachlicher Kartographie beschäftigt – ein Thema, das für Dialektologie, Kontaktlinguistik und Areallinguistik gleichermaßen interessant ist. Interessierte sind willkommen!

Vortrag: südjütische Wenkerbögen

Hoxtrup 1In der Kolloquiumsreihe des Zentrums für kleine und regionale Sprachen (KURS) an der Europa-Universität Flensburg halte ich am 13. 12. 2017 einen Gastvortrag mit dem Titel Schlechte Sprache, schlechte Daten – oder was? Südschleswiger Jütisch in deutschen Dialekterhebungen des 19. Jahrhunderts. Dabei geht es noch einmal (wie schon hier) um die südjütischen Wenkerbögen, die als Teil von Georg Wenkers Datenerhebungen für den Sprachatlas des Deutschen Reichs entstanden sind. Die dänische Dialektologie beurteilt den Quellenwert dieser Daten traditionell skeptisch und betont die methodischen Probleme, die sich bei der Anwendung auf die südjütischen Dialekte aus der Konzeption für deutsche Dialekte, aus der Übersetzung durch die Informanten sowie aus der Transkription durch häufig nicht dänischsprachige linguistische Laien ergeben. In meinem Vortrag diskutiere ich diese Probleme, zeige auf der Grundlage einer Studie von Höder & Winter (i. Vorb.) aber auch, dass die Daten dennoch nicht wertlos sind, sondern zumindest bei einigen grammatischen Merkmalen den damaligen Dialektstand authentisch abbilden. Damit stellen sie auch für künftige Forschung interessantes Untersuchungsmaterial dar.

Masterarbeit: Genussysteme in norwegischen Kontaktvarietäten

kvendrakta1[1]Skandinavien ist insgesamt durch sprachliche Diversität und eine Vielzahl von Sprachkontaktkonstellationen geprägt. Aber wie wirkt sich das auf die Entwicklung der sprachlichen Strukturen aus? Mit zwei solchen Fällen beschäftigt sich Bente Hartmanns Masterarbeit, die die Auswirkungen des Sprachkontakts auf das norwegische Genussystem in nordnorwegischen Dialekten und dem Osloer Multiethnolekt vergleicht.

37240Dabei untersucht sie die Konsequenzen des Sprachkontakts zwischen Norwegisch, Samisch und Kvenisch einerseits und der Entwicklung in einem sprachlich heterogenen urbanen Milieu andererseits. Dabei zeigen sich in beiden Fällen Reduktionen des Genussystems (von maximal drei über zwei Genera bis zum Extremfall des Verschwindens von Genus als grammatischer Kategorie). Allerdings lassen sich diese Entwicklungen nicht völlig parallel erklären. Zwar gibt es Gemeinsamkeiten der beiden Kontaktkonstellationen, aber je stärker die sprachsozialen Bedingungen im Detail betrachtet werden, desto deutlicher werden die Unterschiede in den zugrunde liegenden Sprachwandelmechanismen.

Vortrag: Wenker-Sätze (Marburg)

südjütischer Wenker-Bogen von Hoxtrup (heute Gemeinde Viöl, Kreis Nordfriesland, Schleswig-Holstein)Die Dialekterhebungen Georg Wenkers Ende des 19. Jahrhunderts (1876–1887) gelten als Pionierleistung der deutschen Dialektologie. Wenker ermittelte über an die Lehrer in den Schulorten des damaligen Deutschen Reichs verschickte Fragebögen (die sogenannten Wenker-Bögen) dialektale Übersetzungen standarddeutscher Beispielsätze, aus denen er dann die geographische Verteilung bestimmter Merkmale in den deutschen Dialekten ableitete. Seine Ergebnisse sind bis heute für die deutsche Dialektologie relevant.

Weniger bekannt ist, dass Wenker neben den deutschen auch die nicht-deutschen Dialekte auf damals deutschem Territorium in seine Untersuchung einbezog. Folglich gibt es Wenker-Bögen auch in einer Reihe von Minderheitensprachen, darunter auch Dänisch auf dem Gebiet des ehemaligen Herzogtums Schleswig (heute Südjütland und das nördliche Schleswig-Holstein). Weil diese nicht-deutschen Bögen bisher in der Forschung kaum beachtet worden sind, hat sich nun eine Tagung in Marburg (29. 2.–3. 3. 2016) diesem Thema gewidmet, bei der Christoph Winter und ich einen Vortrag zum Wert und zur Plausibilität der südjütischen Wenker-Bögen beigetragen haben (Deutsches im Südjütischen, Südjütisch im deutschen Dialektatlas. Zur Plausibilität der südjütischen Wenker-Materialien). Dabei konnten wir zeigen, dass die Wenker-Bögen im Hinblick auf im Sprachkontakt zum Deutschen relevante (morpho-)syntaktische Merkmale durchaus sinnvolle Analysen erlauben, und zwar trotz aller Vorbehalte, die man aus anderen Perspektiven gegen diese Materialien anführen muss.

Bachelorarbeit: positive Einstellung zu norwegischen Dialekten

Oslo 17 mai 2010Dass Norwegischsprecher eine im Vergleich zu anderen Sprachen (auch den übrigen nordischen Sprachen) auffällig positive Einstellung zum Dialekt haben, ist eine Alltagserfahrung in Norwegen und auch in soziolinguistischen Studien belegt. Pontus te Gude hat in seiner Bachelorarbeit anhand einer Befragung von Studierenden an Hochschulen in Bergen untersucht, welche Faktoren diese positive Einstellung in der Selbsteinschätzung individueller Sprecher bedingen. Dabei zeigen sich unterschiedliche Faktorengruppen (Anbindung an Familie und Heimatregion, soziale Bewertung durch andere, ästhetische Kriterien, …), die sich teils auch verschieden auf untersuchte soziale Gruppen (Geschlechter, Studienfächer, regionale Herkunft) verteilen.