Schlagwort-Archive: CxG

Vorträge Januar bis Mai 2017

Rückblick auf die ersten Monate des Jahres: Von Januar bis Mai sind verschiedene Vorträge entstanden.

In Vorträgen in Stockholm und Berlin habe ich aus der Perspektive des Projekts GrammArNord über areale Zusammenhänge zwischen deutschen und skandinavischen Varietäten berichtet. Dabei ging es in dem Stockholmer Vortrag Wie deutsch ist Skandinavisch? Und wie skandinavisch ist (manches) Deutsch? vor allem um die Auswirkungen des jahrhundertealten deutsch-skandinavischen Sprachkontakts auf unterschiedliche Varietäten des Nonstandardbereichs, die sich in einem sprachenübergreifenden kommunikativen Raum darstellen lassen, der durch geographische und nicht-geographische Dimensionen strukturiert ist. Ein Beispiel ist einerseits die in Norwegen als ‚garpe-Genitiv‘ bezeichnete Possessivkonstruktion wie in dama si bok ‚das Buch der Frau‘, die ursprünglich aus kontinentalwestgermanischen Varietäten über das Niederdeutsche in westnorwegische Dialekte übernommen worden ist (vgl. hd. der Frau ihr Buch, nd. de Fru ehr Book). Heute findet sich diese Konstruktion auch in anderen Dialektregionen, im Nynorsk sowie zunehmend auch in bokmålnaher Umgangssprache; sie breitet sich also im norwegischen Varietätenspektrum sowohl horizontal als auch vertikal aus. Ein Beispiel für die umgekehrte Wirkrichtung ist die als typisch dänisch bekannte Sonorisierung intervokalischer Plosive (dän. klusilsvækkelse), die sich auch in den nördlichsten hoch- und niederdeutschen Varietäten findet (vgl. norddeutsch Jacke [ˈjaɡə]). Nach Süden hin ist sie aber weniger stark obligatorisch und dann zum Teil stärker sozial und situativ differenziert; ein Extremfall ist die Refunktionalisierung als Genremarker im deutschen Hiphop, die wohl über die Rolle Hamburgs als frühes Hiphophochburg zu erklären ist.

Höder, Steffen. 2017. „Wie deutsch ist Skandinavisch? Und wie skandinavisch ist (manches) Deutsch?“. Gastvortrag, Stockholms universitet, 21. 2. 2017.

Der Vortrag Skandinavisches im Deutschen und umgekehrt: kontaktbedingter Grammatikwandel aus arealer Perspektive an der Berliner Humboldt-Universität konzentrierte sich auf die Frage, wie die Entstehung grammatischer Arealismen in verschiedenen deutsch-skandinavischen Kontaktkonstellationen aus dem Blickwinkel einschlägiger Modelle zum Grammatikkontakt zu interpretieren ist, darunter Heines & Kutevas Modell der kontaktbedingten Grammatikalisierung, Johansons Ansatz zum Kodekopieren und mein eigenes Modell der Diasystematischen Konstruktionsgrammatik.

Höder, Steffen. 2017. „Skandinavisches im Deutschen und umgekehrt: kontaktbedingter Grammatikwandel aus arealer Perspektive“. Gastvortrag, Humboldt-Universität zu Berlin, 24. 1. 2017.

Stärker ins Detail ging der Vortrag Variationssensitive Arealtypologie zwischen Elbe und Nordkap – Werkstatt­bericht zum Kieler Projekt GrammArNord, der den aktuellen Arbeitsstand im Projekt einschließlich der theoretischen und methodischen Grundlagen darstellte und anhand von Pilotstudien illustrierte. Das ausführliche Handout dazu findet sich bei [Academia.edu].

Höder, Steffen. 2017. „Variationssensitive Arealtypologie zwischen Elbe und Nordkap – Werkstatt­bericht zum Kieler Projekt GrammArNord“. Gastvortrag, Humboldt-Universität zu Berlin, 24. 1. 2017.

In einem Vortrag in Göteborg habe ich unter dem Titel Sådan skal det lyde! Fonetikens betydelse för danskundervisningen i tyska skolor über Grundfragen des dans-Projekts berichtet. Der Fokus lag dabei auf der Bedeutung des Ausspracheunterrichts für den Erwerb einer funktionalen Dänischkompetenz in der Schule: Eine für dänische L1-Sprecher akzeptable dänische Aussprache ist ausschlaggebend dafür, dass L2-Sprecher überhaupt die Chance bekommen, in authentischen Kommunikationssituationen Dänisch zu sprechen und ihre sprachliche Kompetenz weiter auszubauen. Zugleich ist Dänisch in phonetisch-phonologischer Hinsicht aber äußert komplex und der Erwerb lautlicher Strukturen eine erhebliche Hürde.

Höder, Steffen. 2017. „Sådan skal det lyde! Fonetikens betydelse för danskundervisningen i tyska skolor“. Gastvortrag, Institutionen för svenska språket, Göteborgs universitet, 27. 2. 2017.

Diasystematische Konstruktionsgrammatik war das Thema des Plenarvortrags A constructional approach to language in contact: Background and basic concepts of Diasystematic Construction Grammar bei der Konferenz Construction Grammar: new advances in theor­etical and applied linguistics an der belgischen Université catholique de Louvain. Hier ging es um eine Einführung in die DCxG für Konstruktionsgrammatiker. Die dazugehörige Präsentation dazu findet sich bei [Academia.edu].

Höder, Steffen. 2017. „A constructional approach to language in contact: Background and basic concepts of Diasystematic Construction Grammar“. Plenarvortrag, Construction Grammar: new advances in theor­etical and applied linguistics, Université catholique de Louvain, Louvain-la-Neuve, 12. 5. 2017.

Masterarbeit: Sprachwandel und Kognitionsmodelle

In ihrer Masterarbeit zum Thema Sprachwissen und sprachliche Kreativität vergleicht Aileen Urban kognitionswissenschaftliche Aspekte der Wissensorganisation mit grammatiktheoretischen Ansätzen zum Sprachwandel, gerade zum Wandel im Sprachkontakt. Dabei zeigt sie, dass gerade das kognitive Modell von Fauconnier & Turner sich gut eignet, um kontaktbedingte Sprachwandelphänomene im Rahmen eines allgemeineren Modells der menschlichen Kognition einzuordnen. Zugleich zeigt sie, dass vor allem konstruktionsgrammatische Ansätze (vor allem die Diasystematische Konstruktionsgrammatik) mit disem Modell kompatibel sind.

Neuerscheinung: Phonological elements and Diasystematic Construction Grammar

Neues zur Diasystematischen Konstruktionsgrammatik: In Constructions and frames 6 ist ein Artikel von mir erschienen, der sich damit befasst, welche Funktion phonologische Elemente im Sprachwissen Mehrsprachiger besitzen und wie diese Funktion im Rahmen der DCxG modelliert werden kann. Dabei geht es zwangsläufig zugleich auch um eine generelle Positionsbestimmung: Wie kann die Konstruktionsgrammatik phonologischen Phänomenen besser als bisher gerecht werden? Gerade die Analyse komplexerer morphophonologischer Zusammenhänge bietet dabei wertvolle Anhaltspunkte für die Rolle phonologischer Elemente im Sprachkontakt. Dabei lassen sich regelhafte Korrespondenzen zwischen lautlichen Strukturen mithilfe sogenannter phonological language markers fassen, die Konstruktionsstatus haben.

Höder, Steffen. 2014. „Phonological elements in Diasystematic Construction Grammar“. Constructions and frames 6, 202–231. Academia.edu DOI Abstract

Usage-based CxG approaches share the central assumption that any grammar has to be acquired and organised through input-based abstraction and categorisation. Diasystematic Construction Grammar (DCxG) is based on the idea that these processes are not sensitive to language boundaries. Multilingual input thus results in multilingual grammars which are conceived of as constructicons containing language-specific as well as language-unspecific constructions. Within such systems, phonological structures play an important part in the identification of schematic constructions. However, the status of phonology in DCxG, as in CxG in general, yet remains unclear. This paper presents some arguments for including phonological elements systematically in the construction-based analysis of (multilingual) constructional systems.

The prefield and beyond (or before)

Am 23. 2. veranstalten Erik Petzell und ich einen kleinen nordistisch-germanistischen Workshop mit dem Titel The prefield and beyond (or before). Thema ist das Vorfeld in Sätzen älterer germanischer Sprachen, vor allem des Mittelniederdeutschen und des Altschwedischen. Hier kommen häufig Strukturen vor, die aus heutiger Perspektive ungrammatisch wirken, aber offenbar doch gewissen formalen und funktionalen Prinzipien folgen, die sich auch analysieren lassen. Im Mittelpunkt stehen dabei Sätze, bei denen das Verb anders als zu erwarten nicht an der zweiten Position steht, und Probleme bei der Satzverbindung mit vorangestellten Nebensätzen.

Der Workshop findet statt von 10.30 bis 17.00 Uhr in LS1 209b.

  • Julia Winkler (Wuppertal): Verbdrittstellung und Informationsstruktur im Deutschen
  • Sebastian Møller Bak (Kopenhagen): Topik-Konstruktionen in mittelniederdeutschen Urkunden
  • Svetlana Petrova (Wuppertal): Violations of V2 in in Middle Low German
  • Nadine Wallmeier & Marie-Luis Merten (Paderborn): Kognitiv-funktional perspektiviert: Konditionale Konstruktionen in mittelniederdeutschen Rechtstexten
  • Steffen Höder (Kiel): Vorangestellte Sätze im Altschwedischen als Ground-Konstruktionen
  • Erik Petzell (Göteborg/Kiel): Relative inversion in Early Modern Swedish

Workshop zu Konstruktionsgrammatik und Sprachkontakt (ICCG 8)

Gemeinsam mit Hans Boas (Austin) habe ich bei der diesjährigen 8th International Conference on Construction Grammar (Osnabrück, 3.–6. September) einen Workshop mit dem Titel Construction grammar and language contact mit Beiträgen zu verschiedenen Sprachkontaktsituationen aus konstruktionsgrammatischer Perspektive organisiert. (Mehr …)