Sommersemester 2016

Kolloquium

Lingustisches Kolloquium für Fortgeschrittene

Zusatzangebot für Bachelor- und Masterstudierende
Fr 13–14 | LS8 215 234

Dieses Kolloquium richtet sich an fortgeschrittene Bachelorstudierende und an Masterstudierende. Wenn Sie eine sprachwissenschaftliche Abschlussarbeit planen oder bearbeiten, empfehle ich Ihnen dringend die Teilnahme.

Abschlussarbeiten sind wissenschaftliche Gesellenstücke: Sie gestalten selbständig ein eigenes Forschungsprojekt, führen es durch und dokumentieren es in einem wissenschaftlichen Text. Dabei gehört zur Eigenverantwortung auch, dass Sie sich selbst um einen gedanklichen Austausch mit anderen bemühen – mit Dozenten, Fachleuten, Kommilitonen und interessierten Laien.

In diesem Kolloquium haben Sie Gelegenheit, Ihre eigenen linguistischen Projekte vorzustellen, miteinander zu diskutieren und zu entwickeln. Dabei thematisieren wir, je nach Bedarf und Interesse, theoretische und methodische Fragen sowie Probleme des wissenschaftlichen Schreibens.

Seminare

Gesprochene Sprache

Masterseminar SW 4.1 und 4.2, SW 6.2 und 6.3, SW 7.1 und 7.2
Fr 14–16 | LS8 201/2 215
verbindlicher Zusatztermin: Linguistischer Workshop (Sa, 2. 7., 13–18 Uhr)

Traditionelle Sprachbeschreibung wie auch der gesteuerte Zweitspracherwerb orientieren sich in der Regel an der kodifizierten Standardsprache, die primär eine Schriftsprache ist. Gesprochene Sprache wird dabei häufig vernachlässigt, spielt in der tatsächlichen Kommunikation aber die wichtigere Rolle. In diesem Seminar betrachten wir gesprochene Sprache aus verschiedenen Perspektiven: Welche semiotischen Parameter unterscheiden gesprochene von geschriebener Sprache? Inwieweit folgt die Produktion und Rezeption gesprochener Sprache eigenen Gesetzen? Wo weicht gesprochene Sprache phonologisch und grammatisch von Standardsprache ab? Welche gesprächslinguistischen und soziolinguistischen Aspekte sind spezifisch für gesprochene Sprache?

Neben der Beschäftigung mit den theoretischen Grundlagen und dem aktuellen Stand der Forschung steht hier die Arbeit mit authentischem Sprachmaterial aus den nordischen Sprachen im Mittelpunkt. In eigenen Analysen untersuchen Sie Gesprächsausschnitte im Hinblick auf verschiedene relevante Fragestellungen und wenden dabei korpuslinguistische Methoden und Transkriptionssysteme an.

Vorlesung mit Übung

Mehrsprachige Kommunikation im Norden

SW 5.1 und 5.2
Fr 10–12 | LS1 207b

Die meisten Menschen, Sprechergruppen und Gesellschaften auf der Welt sind in irgendeiner Weise mehrsprachig. Gemessen daran wird Mehrsprachigkeit in der Sprachwissenschaft noch immer zu wenig thematisiert oder gar als Grundlage linguistischer Modellbildung gewählt.

Die Vorlesung führt mit Fokus auf die nordischen Länder in Formen und Funktionen mehrsprachiger Kommunikation ein. Dabei geht es zunächst um grundlegende Begriffe und Kategorien, die für die Beschreibung mehrsprachiger Kommunikation nötig sind: Was ist Mehrsprachigkeit? Gibt es unterschiedliche Typen von Mehrsprachigkeit? Welche sind im Norden verbreitet? Anschließend werden strukturelle und funktionale Aspekte behandelt: Was sind typische Erscheinungsformen von Mehrsprachigkeit? Wie sehen mehrsprachige Äußerungen, Diskurse und Texte aus? Wie kann man mehrsprachiges Sprechen analysieren? Welche Rolle spielt Mehrsprachigkeit für Sprecher, Gruppen und Gesellschaften?

Die dazugehörige Übung unterstützt sie dabei, das Behandelte nachzuvollziehen, und bereitet Sie (je nach Studienordnung) auf die Abschlussklausur vor.

Eigenständige Lektüren

Multiethnolekte der nordischen Sprachen

SW 6.1
gemeinsame Vorbesprechung nach Absprache

Mit der eigenständigen Lektüre üben Sie, sich zwar mit Anleitung, aber in eigener Verantwortung in einen begrenzten thematischen Bereich einzuarbeiten – eine Schlüsselqualifikation für das wissenschaftliche Arbeiten.

In diesem Semester geht es um die sogenannten Multiethnolekte der nordischen Sprachen, häufig etwa als förortssvenska oder kebabnorsk bezeichnet, die aktuell Gegenstand vielfältiger sprachwissenschaftlicher Forschung sind. Unter Multiethnolekten versteht man Varietäten, die sich vorwiegend in den Großstädten (des skandinavischen Festlands) herausgebildet haben, wo die als Ergebnis von Einwanderung entstandene ethnische und sprachliche Diversität zunächst innovativ auf die dortige Jugendsprache gewirkt hat, die in Phonologie, Lexikon und Grammatik teils recht markant von der übrigen Umgangssprache abweicht. In der Folge verfügen jüngere Spreche häufig neben standardnäheren Formen auch über spezifisch multiethnolektale Strukturen. Multiethnolekte sind dabei nicht, wie früher oft angenommen, in erster Linie Ergebnisse eines defizitären Sprachwissens, sondern stellen eine eigene sprachliche Ressource dar, die spezifische kommunikative Bereiche abdecken und dabei ganz bestimmte Funktionen aufweisen kann.

Sie erarbeiten sich in der Lektüre einen Überblick über Fragestellungen und Resultate der aktuellen Forschung in Skandinavien zu diesem Thema. Die eigenständige Lektüre wird mit einer Klausur abgeschlossen.

 

Synchrone/Diachrone Sprachwissenschaft

SW 7.3 und 7.4
Vorbesprechung nach individueller Absprache

Mit den eigenständigen Lektüren üben Sie, sich zwar mit Anleitung, aber in eigener Verantwortung in begrenzte thematische Bereiche einzuarbeiten – eine Schlüsselqualifikation für das wissenschaftliche Arbeiten.

In diesem Fall bearbeiten Sie zwei selbst gewählte Themen aus diachroner bzw. synchroner Perspektive. Geeignete Bereiche, aus denen Sie sich zwei Schwerpunktthemen erarbeiten können, werden gemeinsam mit ersten Literaturhinweisen vorgegeben. Nach Absprache sind auch andere Themen möglich.

Die eigenständigen Lektüren werden mit einer übergreifenden mündlichen Prüfung auf der Grundlage eines Thesenpapiers abgeschlossen, das Sie in Absprache mit mir rechtzeitig einreichen.