Archiv der Kategorie: Vorträge

ATdS 2017

Vom 27. bis zum 29. September 2017 findet in Kiel die 23. Arbeitstagung der Skandinavistik statt, bei der ein recht umfangreiches Programm aus allen Fachteilen geboten wird.

Aus linguistischer Sicht steht Julia Prentice’ Plenarvortrag Infrastruktur för svensk andraspråksforskning (och annan svensk språkforskning). Möten mellan andraspråksforskning och datalingvistik im Vordergrund, der inhaltlich auch Anknüpfungspunkte für die drei Arbeitskreise mit linguistischer Beteiligung bietet.

Der Arbeitskreis Digital Humanities in der Skandinavistik (Leitung: Ruth Sindt und ich) thematisiert neue Chancen, die sich für alle Bereiche der Skandinavistik und der Nordeuropaforschung insgesamt aus der Digitalisierung ergeben. Dazu gehören unter anderem auch Beiträge zu Sprachkorpora, digitaler Editionsphilologie, Metadatenmanagement. Ruth Sindt und ich führen mit einem Beitrag Digital Humanities: Modeerscheinung oder echte Chance? ein.

Aus dem Kieler dans-Projekt hat sich ein Arbeitskreis zu Sprachdidaktik und Zweitspracherwerb ergeben (Leitung: Lisa Tulaja und ich). Hier geht es um unterschiedliche Facetten von (zumeist gesteuertem) Zweitspracherwerb in unterschiedlichen Kontexten. Die Beiträge beschäftigen sich entsprechend mit Spracherwerb in Norwegen, Schweden und Deutschland, mit einem Block von Beiträgen zum schulischen Dänischerwerb in Schleswig-Holstein. Hierzu gehören auch (aus dem dans-Projekt) mein Vortrag mit dem Titel Schulfach Dänisch: Linguistische Anmerkungen zu einem doppelten Kuriosum und Lisa Tulajas Vortrag zu Aussprache im schulischen Dänischunterricht. Fehlerklassifikation und -analyse.

Zusätzlich gibt es einen thematisch offenen Arbeitskreis Sprachwissenschaft (Leitung: Christer Lindqvist und ich) mit ganz unterschiedlichen Beiträgen, unter anderem mein Vortrag Das Südschleswiger Südjütisch im Spiegel der Wenker-Daten. Aus Kiel werden außerdem Sabrina Schütz (Bestandsaufnahme des Südschleswigdänischen aus dialektologischer Perspektive. Forschungsdesign und erste Ergebnisse) und Aileen Urban (Konstruktionsgrammatik und Codeswitching) aus ihrer Arbeit berichten.

 

Vortrag: Monolinguale Irrtümer: Zwei grammatische Kontaktmerkmale in deutsch-dänischen Dialekten und was man von ihnen lernen kann

Am 13. Juni (16.15 Uhr, LS10 401/2) halte ich einen Vortrag im Sprachwissenschaftlichen Kolloquium mit dem Titel Monolinguale Irrtümer: Zwei grammatische Kontaktmerkmale in deutsch-dänischen Dialekten und was man von ihnen lernen kann. Dabei geht es um einen Aspekt der Arbeit im GrammArNord-Projekt, nämlich Reflexe von Sprachkontakt in der Grammatik von Dialekten, die in einer traditionellen Sprachkontaktzone gesprochen werden, also in einem mehrsprachigen Kontext. Solche Dialekte – in diesem Fall das schleswigsche Niederdeutsch und das südlichste Südjütisch – werden häufig aus der Perspektive der einzelsprachlichen Dialektologien gewissermaßen durch die monolinguale Brille betrachtet. Dadurch erscheinen strukturelle Merkmale als vergleichsweise exotisch oder werden in ihrer Funktion und ihrer Entstehung falsch interpretiert, die sich aus einer kontaktlinguistischen bzw. arealen Perspektive sinnvoller beschreiben lassen. Im Vortrag gehe ich auf zwei solcher Merkmale ein.

Gastvortrag Nanna Haug Hilton (Groningen)

Nanna Haug Hilton

Nanna Haug Hilton

Am 22. Mai war Nanna Haug Hilton von der Rijksuniversiteit Groningen zu Gast am ISFAS und hat einen Gastvortrag mit dem Titel Regional dialektnivellering og bokmål: språkforandring i Norge gehalten, der eine Studie zu Stellung und Wandel des Ortsdialekts von Hønefoss (Buskerud) zwischen traditionellen Varianten und regionalen Ausgleichsformen vorstellte. Dabei stand auch die Frage im Fokus, ob der Wandel im Dialekt eher auf Osloer Formen oder aber auf Bokmål als die dominierende Standardvarietät ausgerichtet ist.

Vorträge Januar bis Mai 2017

Rückblick auf die ersten Monate des Jahres: Von Januar bis Mai sind verschiedene Vorträge entstanden.

In Vorträgen in Stockholm und Berlin habe ich aus der Perspektive des Projekts GrammArNord über areale Zusammenhänge zwischen deutschen und skandinavischen Varietäten berichtet. Dabei ging es in dem Stockholmer Vortrag Wie deutsch ist Skandinavisch? Und wie skandinavisch ist (manches) Deutsch? vor allem um die Auswirkungen des jahrhundertealten deutsch-skandinavischen Sprachkontakts auf unterschiedliche Varietäten des Nonstandardbereichs, die sich in einem sprachenübergreifenden kommunikativen Raum darstellen lassen, der durch geographische und nicht-geographische Dimensionen strukturiert ist. Ein Beispiel ist einerseits die in Norwegen als ‚garpe-Genitiv‘ bezeichnete Possessivkonstruktion wie in dama si bok ‚das Buch der Frau‘, die ursprünglich aus kontinentalwestgermanischen Varietäten über das Niederdeutsche in westnorwegische Dialekte übernommen worden ist (vgl. hd. der Frau ihr Buch, nd. de Fru ehr Book). Heute findet sich diese Konstruktion auch in anderen Dialektregionen, im Nynorsk sowie zunehmend auch in bokmålnaher Umgangssprache; sie breitet sich also im norwegischen Varietätenspektrum sowohl horizontal als auch vertikal aus. Ein Beispiel für die umgekehrte Wirkrichtung ist die als typisch dänisch bekannte Sonorisierung intervokalischer Plosive (dän. klusilsvækkelse), die sich auch in den nördlichsten hoch- und niederdeutschen Varietäten findet (vgl. norddeutsch Jacke [ˈjaɡə]). Nach Süden hin ist sie aber weniger stark obligatorisch und dann zum Teil stärker sozial und situativ differenziert; ein Extremfall ist die Refunktionalisierung als Genremarker im deutschen Hiphop, die wohl über die Rolle Hamburgs als frühes Hiphophochburg zu erklären ist.

Höder, Steffen. 2017. „Wie deutsch ist Skandinavisch? Und wie skandinavisch ist (manches) Deutsch?“. Gastvortrag, Stockholms universitet, 21. 2. 2017.

Der Vortrag Skandinavisches im Deutschen und umgekehrt: kontaktbedingter Grammatikwandel aus arealer Perspektive an der Berliner Humboldt-Universität konzentrierte sich auf die Frage, wie die Entstehung grammatischer Arealismen in verschiedenen deutsch-skandinavischen Kontaktkonstellationen aus dem Blickwinkel einschlägiger Modelle zum Grammatikkontakt zu interpretieren ist, darunter Heines & Kutevas Modell der kontaktbedingten Grammatikalisierung, Johansons Ansatz zum Kodekopieren und mein eigenes Modell der Diasystematischen Konstruktionsgrammatik.

Höder, Steffen. 2017. „Skandinavisches im Deutschen und umgekehrt: kontaktbedingter Grammatikwandel aus arealer Perspektive“. Gastvortrag, Humboldt-Universität zu Berlin, 24. 1. 2017.

Stärker ins Detail ging der Vortrag Variationssensitive Arealtypologie zwischen Elbe und Nordkap – Werkstatt­bericht zum Kieler Projekt GrammArNord, der den aktuellen Arbeitsstand im Projekt einschließlich der theoretischen und methodischen Grundlagen darstellte und anhand von Pilotstudien illustrierte. Das ausführliche Handout dazu findet sich bei [Academia.edu].

Höder, Steffen. 2017. „Variationssensitive Arealtypologie zwischen Elbe und Nordkap – Werkstatt­bericht zum Kieler Projekt GrammArNord“. Gastvortrag, Humboldt-Universität zu Berlin, 24. 1. 2017.

In einem Vortrag in Göteborg habe ich unter dem Titel Sådan skal det lyde! Fonetikens betydelse för danskundervisningen i tyska skolor über Grundfragen des dans-Projekts berichtet. Der Fokus lag dabei auf der Bedeutung des Ausspracheunterrichts für den Erwerb einer funktionalen Dänischkompetenz in der Schule: Eine für dänische L1-Sprecher akzeptable dänische Aussprache ist ausschlaggebend dafür, dass L2-Sprecher überhaupt die Chance bekommen, in authentischen Kommunikationssituationen Dänisch zu sprechen und ihre sprachliche Kompetenz weiter auszubauen. Zugleich ist Dänisch in phonetisch-phonologischer Hinsicht aber äußert komplex und der Erwerb lautlicher Strukturen eine erhebliche Hürde.

Höder, Steffen. 2017. „Sådan skal det lyde! Fonetikens betydelse för danskundervisningen i tyska skolor“. Gastvortrag, Institutionen för svenska språket, Göteborgs universitet, 27. 2. 2017.

Diasystematische Konstruktionsgrammatik war das Thema des Plenarvortrags A constructional approach to language in contact: Background and basic concepts of Diasystematic Construction Grammar bei der Konferenz Construction Grammar: new advances in theor­etical and applied linguistics an der belgischen Université catholique de Louvain. Hier ging es um eine Einführung in die DCxG für Konstruktionsgrammatiker. Die dazugehörige Präsentation dazu findet sich bei [Academia.edu].

Höder, Steffen. 2017. „A constructional approach to language in contact: Background and basic concepts of Diasystematic Construction Grammar“. Plenarvortrag, Construction Grammar: new advances in theor­etical and applied linguistics, Université catholique de Louvain, Louvain-la-Neuve, 12. 5. 2017.

Gastvortrag (Lars Zeige, HU Berlin): Nordeuropa in Sprachkarten. Anfänge und Motive

Am 13. und 14. 1. ist Lars Zeige zu Gast in der Kieler Skandinavistik. Lars Zeige ist Germanist und Skandinavist und vertritt in diesem und dem kommenden Semester die Professur für skandinavistische Sprachwissenschaft am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin.

Bei uns hält er am Sonnabend, 14. 1., 15.35 Uhr im Rahmen des Linguistischen Workshops in diesem Semester zum Thema Nordeuropa in Sprachkarten. Anfänge und Motive, der sich aus fachgeschichtlicher Perspektive mit sprachlicher Kartographie beschäftigt – ein Thema, das für Dialektologie, Kontaktlinguistik und Areallinguistik gleichermaßen interessant ist. Interessierte sind willkommen!

Vortrag: südjütische Wenkerbögen

Hoxtrup 1In der Kolloquiumsreihe des Zentrums für kleine und regionale Sprachen (KURS) an der Europa-Universität Flensburg halte ich am 13. 12. 2017 einen Gastvortrag mit dem Titel Schlechte Sprache, schlechte Daten – oder was? Südschleswiger Jütisch in deutschen Dialekterhebungen des 19. Jahrhunderts. Dabei geht es noch einmal (wie schon hier) um die südjütischen Wenkerbögen, die als Teil von Georg Wenkers Datenerhebungen für den Sprachatlas des Deutschen Reichs entstanden sind. Die dänische Dialektologie beurteilt den Quellenwert dieser Daten traditionell skeptisch und betont die methodischen Probleme, die sich bei der Anwendung auf die südjütischen Dialekte aus der Konzeption für deutsche Dialekte, aus der Übersetzung durch die Informanten sowie aus der Transkription durch häufig nicht dänischsprachige linguistische Laien ergeben. In meinem Vortrag diskutiere ich diese Probleme, zeige auf der Grundlage einer Studie von Höder & Winter (i. Vorb.) aber auch, dass die Daten dennoch nicht wertlos sind, sondern zumindest bei einigen grammatischen Merkmalen den damaligen Dialektstand authentisch abbilden. Damit stellen sie auch für künftige Forschung interessantes Untersuchungsmaterial dar.

Vortrag: Wenker-Sätze (Marburg)

südjütischer Wenker-Bogen von Hoxtrup (heute Gemeinde Viöl, Kreis Nordfriesland, Schleswig-Holstein)Die Dialekterhebungen Georg Wenkers Ende des 19. Jahrhunderts (1876–1887) gelten als Pionierleistung der deutschen Dialektologie. Wenker ermittelte über an die Lehrer in den Schulorten des damaligen Deutschen Reichs verschickte Fragebögen (die sogenannten Wenker-Bögen) dialektale Übersetzungen standarddeutscher Beispielsätze, aus denen er dann die geographische Verteilung bestimmter Merkmale in den deutschen Dialekten ableitete. Seine Ergebnisse sind bis heute für die deutsche Dialektologie relevant.

Weniger bekannt ist, dass Wenker neben den deutschen auch die nicht-deutschen Dialekte auf damals deutschem Territorium in seine Untersuchung einbezog. Folglich gibt es Wenker-Bögen auch in einer Reihe von Minderheitensprachen, darunter auch Dänisch auf dem Gebiet des ehemaligen Herzogtums Schleswig (heute Südjütland und das nördliche Schleswig-Holstein). Weil diese nicht-deutschen Bögen bisher in der Forschung kaum beachtet worden sind, hat sich nun eine Tagung in Marburg (29. 2.–3. 3. 2016) diesem Thema gewidmet, bei der Christoph Winter und ich einen Vortrag zum Wert und zur Plausibilität der südjütischen Wenker-Bögen beigetragen haben (Deutsches im Südjütischen, Südjütisch im deutschen Dialektatlas. Zur Plausibilität der südjütischen Wenker-Materialien). Dabei konnten wir zeigen, dass die Wenker-Bögen im Hinblick auf im Sprachkontakt zum Deutschen relevante (morpho-)syntaktische Merkmale durchaus sinnvolle Analysen erlauben, und zwar trotz aller Vorbehalte, die man aus anderen Perspektiven gegen diese Materialien anführen muss.

ATdS 22 in Köln

Auf der 22. Arbeitstagung der Skandinavistik (ATdS 22) an der Universität zu Köln halte ich einen Plenarvortrag mit dem Titel Sprachen im Raum: ein areallinguistischer Blick auf Norddeutschland und Nordeuropa, in dem ich Ziel und Kontext des Projekts GrammArNord skizziere.

Außerdem leite ich gemeinsam mit Muriel Norde (Berlin) einen Arbeitskreis zum Thema Grammatikalisierung.

Vortrag: Niederdeutsches in nordeuropäischen Arealen (Tallinn)

Neues zu GrammArNord: Bei der Jahrestagung des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung in Tallinn halte ich einen Vortrag mit dem Titel Niederdeutsches in nordeuropäischen Arealen. Der Vortrag stellt den aktuellen Stand des Projekts GrammArNord dar und geht besonders auf die merkmalzentrierte Analyse sprachlicher Areale im multidimensionalen kommunikativen Raum ein, die für das GrammArNord grundlegend ist. Eine Analyse dreier beispielhaft ausgewählter morphosyntaktischer Merkmale illustriert die Bezüge zu unterschiedlichen Kontaktzonen und -konstellationen sowie die verschiedenen Zeittiefen, die sich mit dem gewählten Ansatz erfassen lassen.

Gastvortrag (Odense)

Am 3. 12. halte ich an der Syddansk Universitet in Odense einen Gastvortrag mit dem Titel Wie skandinavisch ist Norddeutsch? Sprachliche Gemeinsamkeiten in regionalen Sprachformen. Dabei geht es um areale Bezüge zwischen norddeutschen Varietäten des Hoch- und Niederdeutschen auf der einen Seite und den nordischen Sprachen auf der anderen Seite. Der Schwerpunkt liegt dabei auf sprachlichen Merkmalen, die entgegen der bekannteren Ausbreitungsrichtung nicht aus dem Deutschen ins Nordische, sondern umgekehrt aus dem Norden ins das regionale Deutsch gekommen sind.