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Vortrag: südjütische Wenkerbögen

Hoxtrup 1In der Kolloquiumsreihe des Zentrums für kleine und regionale Sprachen (KURS) an der Europa-Universität Flensburg halte ich am 13. 12. 2017 einen Gastvortrag mit dem Titel Schlechte Sprache, schlechte Daten – oder was? Südschleswiger Jütisch in deutschen Dialekterhebungen des 19. Jahrhunderts. Dabei geht es noch einmal (wie schon hier) um die südjütischen Wenkerbögen, die als Teil von Georg Wenkers Datenerhebungen für den Sprachatlas des Deutschen Reichs entstanden sind. Die dänische Dialektologie beurteilt den Quellenwert dieser Daten traditionell skeptisch und betont die methodischen Probleme, die sich bei der Anwendung auf die südjütischen Dialekte aus der Konzeption für deutsche Dialekte, aus der Übersetzung durch die Informanten sowie aus der Transkription durch häufig nicht dänischsprachige linguistische Laien ergeben. In meinem Vortrag diskutiere ich diese Probleme, zeige auf der Grundlage einer Studie von Höder & Winter (i. Vorb.) aber auch, dass die Daten dennoch nicht wertlos sind, sondern zumindest bei einigen grammatischen Merkmalen den damaligen Dialektstand authentisch abbilden. Damit stellen sie auch für künftige Forschung interessantes Untersuchungsmaterial dar.

Bachelorarbeit: Fennizismen im Finnlandschwedischen

Finnland ist offiziell zweisprachig, mit Finnisch und Schwedisch als landesweit verwendeten Amtssprachen; eine Ausnahme bildet das schwedisch einsprachige Åland. Dabei weicht das Finnlandschwedische vom Schwedenschwedischen in manchen Strukturbereichen auffällig ab, insbesondere die gesprochene Sprache der schwedischsprachigen Minderheit. Aus Laiensicht besonders auffällig sind lexikalische Besonderheiten, also Wörter, die im Schwedenschwedischen nicht vorkommen (Finnlandismen). Solche Wörter entstehen in verschiedenen Zusammenhängen, manche von ihnen auch durch den engen Kontakt zum Finnischen, der zur Entlehnung finnischen Wortmaterials führt (Fennizismen).

In ihrer Bachelorarbeit untersucht Eloisa Ruppert anhand einer Korpusanalyse mit Korp, wie häufig solche Fennizismen im Finnlandschwedischen vorkommen und wie sie sich auf verschiedene geographische und kommunikative Kontexte verteilen. Dabei untersucht sie

  • die Regionen Åboland, Nyland, Österbotten und Åland sowie
  • verschiedene Texttypen bzw. Register, nämlich Rechtstexte, Zeitungstexte, Belletristik und gesprochene Sprache.

Die Analyse zeigt, dass die Frequenz von Fennizismen in distanzsprachlicher Kommunikation gering ist und mit zunehmender kommunikativer Nähe ansteigt. Hinzu kommt bei Zeitungstexten und in gesprochener Sprache eine geographische Differenzierung: Geringe Frequenzen weisen Åland und Österbotten auf, in südlicheren Regionen des Festlands liegen die Werte dagegen höher.

Masterarbeit: Dänischlernstrategien an der Universität

Nicht alle lernen gleich, auch nicht dieselbe Sprache: Lena Prenzler ist in ihrer Masterarbeit Unterschieden bei den Lernstrategien von Dänischlernern an der Universität auf den Grund gegangen. Dabei hat sie eine Reihe von Variablen untersucht: Verwenden Anfänger andere Strategien als Fortgeschrittene, Männer andere als Frauen, Erfolgreiche andere als Schwächere? Und hängt die Wahl der Strategien mit der Einstellung der Lerner zum Dänischen oder mit der Motivation für den Spracherwerb zusammen?

Dabei ergeben sich zum Teil erwartbare, zum Teil aber auch überraschende Befunde. So greifen Fortgeschrittene Lerner häufiger zu Strategien, die auf die Auseinandersetzung mit authentischen dänischen Texten und natürlichen Kommunikationssituationen hinauslaufen, während Anfänger eher Strategien wählen, die auf das Auswendiglernen sprachlicher Elemente abzielen. Einen ähnlichen Unterschied gibt es zwischen erfolgreicheren und schwächeren Lernern. Zugleich machen die Ergebnisse aber auch deutlich, dass die Zusammenhänge komplex sind, und man einfache Schlüsse (etwa „wer erfolgreich Dänisch lernen will, muss sich möglichst viel natürlichen Kommunikationssituationen aussetzen“) nicht zutreffen müssen – es gibt auch Lernertypen, die sich anders verhalten.

Aufschlussreich ist auch, dass Männer im Durchschnitt häufiger technische Hilfsmittel wie Apps zum Dänischlernen nutzen als Frauen, die dafür häufiger gezielt darauf setzen, Dänischsprachige kennenzulernen. Darüber hinaus neigen Frauen insgesamt mehr zur gezielten Verwendung bestimmter Strategien als Männer.

Als Konsequenz aus ihrer Studie schlägt Lena Prenzler ein Lernstrategietraining vor, das den Lernern die Auswahl unter verschiedenen geeigneten Lernstrategien ermöglicht.

Masterarbeit: schwedischer Akzent im Deutschen

Einen schwedischen Akzent im Deutschen zu erkennen fällt Sprechern, die mit beiden Sprachen vertraut sind, häufig recht leicht; zu benennen, woran man ihn erkennt, ist dagegen ungleich schwerer. Katharina Micheel hat in ihrer Masterarbeit die deutsche und die schwedische Phonologie miteinander verglichen und vor diesem Hintergrund die deutsche Aussprache bei L2-Sprechern mit schwedischer Erstsprache analysiert, und zwar sowohl bei Sprechern in Deutschland mit recht hohem Kompetenzgrad als auch bei Sprechern in Schweden, die im L2-Erwerb weniger weit fortgeschritten sind.

Dabei zeigt sich, dass nicht-zielsprachliche Aussprache wie erwartet vor allem dort auftritt, wo größere Unterschiede in der Phonologie bestehen. Das betrifft zum einen Segmente – die Vokalqualitäten, die stimmlosen Frikative, das stimmhafte [z], Affrikaten wie [ts] und [pf] – aber auch größere lautliche Einheiten, etwa wenn die Probanden Affixe wie -el oder -en schriftnah als Verbindungen von [ə] und Konsonanten realisieren und nicht zielsprachlich korrekt mit den silbischen Konsonanten [l̩ m̩ n̩ ŋ̩]. Insgesamt zeigt sich auch, dass die untersuchten Probanden im Vergleich zu früheren Studien mehr und andere Abweichungen von der zielsprachlichen Norm produzieren – hier lässt sich über Ursachen bislang nur spekulieren.

Stellenausschreibung: studentische/wissenschaftliche Hilfskraft, Fachbibliothek

Zum 15. 10. 2016 ist am Institut für Skandinavistik, Frisistik und Allgemeine Sprachwissenschaft (ISFAS), Abteilung Skandinavistik, eine Hilfskraftstelle für 1 Jahr zu besetzen; eine Verlängerung ist unter Vorbehalt möglich.

Die Arbeitszeit beträgt 30 Stunden/Monat (studentische Hilfskraft ohne Abschluss) oder 27 Stunden/Monat (wissenschaftliche Hilfskraft mit BA).

Das Aufgabengebiet umfasst die Mitarbeit in der Fachbibliothek Skandinavistik.

Vorausgesetzt werden

  • Team- und Organisationsfähigkeit
  • sicherer Umgang mit gängiger Bürosoftware und einfachen Onlinetools
  • Lesefähigkeit in den festlandskandinavischen Sprachen

Bitte richten Sie Ihre schriftliche Bewerbung bis Mittwoch, den 14.09.2016, über das Geschäftszimmer Skandinavistik (LS8 218) an Prof. Dr. Steffen Höder.

Für Nachfragen erreichen Sie Herrn Höder am besten per Mail (s.hoeder@isfas.uni-kiel.de).

Linguistischer Workshop

Am Sonnabend, dem 2. 7. 2016, 13.00–17.15 Uhr, findet in LS 8 225/8 wieder der Linguistische Workshop statt. Alle Studierenden und Interessierten sind herzlich eingeladen; für Kaffee und Tee ist wie immer gesorgt.

In diesem Semester haben wir folgendes Programm:

13.00

Begrüßung

13.15

Semesterbericht

13.45

gemeinsame Diskussion zu den neuen Studienordnungen
Einführung in die skandinavistische Linguistik

14.15

Pause

14.30

Eloisa Ruppert
Lexikalische Fennismen im Finnlandschwedischen

15.00

Postersession

15.45

gemeinsame Diskussion zu den neuen Studienordnungen
Interskandinavische Lesekompetenz

16.00

Pause

16.15

Tuarik Buanzur
Kontrastierende laryngale Aktivitäten
als distinktive Merkmale im Areal Nordeuropa

16.45

gemeinsame Diskussion
Skandinavistik und Dänisch

17.15

Ende

Die Vorträge dauern 20 Minuten mit 10 Minuten Zeit für eine Diskussion und eine kurze Pause.

Masterarbeit: Deutsch und Dänisch bei nordschleswigdeutschen Schülern

EXMARaLDA"/

Dass in der deutschen Minderheit in Nordschleswig/Südjütland Deutsch und Dänisch (und das regionale Südjütisch) verwendet werden, ist allgemein bekannt und in der Forschung recht gut beschrieben. Nathalie Liefke hat in ihrer Masterarbeit nun ein selbst erstelltes und mit EXMARaLDA annotiertes digitales Korpus von Gesprächen unter Schülern einer Schule in Apenrade/Aabenraa auf zweisprachigen Sprachgebrauch hin untersucht: Was für Formen von Codeswitching, strukturellem Transfer und anderen Sprachkontaktphänomenen kommen hier vor? Gibt es Zusammenhänge zu den jeweiligen Gesprächskontexten und individuellen Sprecherprofilen bzw. Sprachbiographien? Insgesamt bestätigt die Arbeit dabei großenteils die Ergebnisse früherer Forschung, in einigen Punkten weichen die Resultate aber auch von den Erwartungen ab; eine mögliche Ursache ist die Zusammensetzung der untersuchten Sprechergruppe.

Stellenausschreibung: studentische/wissenschaftliche Hilfskraft, Fachbibliothek

Zum 1. 9. 2016 ist am Institut für Skandinavistik, Frisistik und Allgemeine Sprachwissenschaft (ISFAS), Abteilung Skandinavistik, eine Hilfskraftstelle für zunächst 4 Monate zu besetzen; eine Verlängerung ist unter Vorbehalt möglich.

Die Arbeitszeit beträgt 30 Stunden/Monat (studentische Hilfskraft ohne Abschluss) oder 27 Stunden/Monat (wissenschaftliche Hilfskraft mit BA).

Das Aufgabengebiet umfasst die Mitarbeit in der Fachbibliothek Skandinavistik.

Vorausgesetzt werden

  • Team- und Organisationsfähigkeit
  • sicherer Umgang mit gängiger Bürosoftware und einfachen Onlinetools
  • Lesefähigkeit in den festlandsskandinavischen Sprachen

Bitte richten Sie Ihre schriftliche Bewerbung bis Freitag, 8. 7. 2016, über das Geschäftszimmer Skandinavistik (LS8 218) an Prof. Dr. Steffen Höder.

Für Nachfragen erreichen Sie mich am besten per Mail (s.hoeder@isfas.uni-kiel.de).

Masterarbeit: Genussysteme in norwegischen Kontaktvarietäten

kvendrakta1[1]Skandinavien ist insgesamt durch sprachliche Diversität und eine Vielzahl von Sprachkontaktkonstellationen geprägt. Aber wie wirkt sich das auf die Entwicklung der sprachlichen Strukturen aus? Mit zwei solchen Fällen beschäftigt sich Bente Hartmanns Masterarbeit, die die Auswirkungen des Sprachkontakts auf das norwegische Genussystem in nordnorwegischen Dialekten und dem Osloer Multiethnolekt vergleicht.

37240Dabei untersucht sie die Konsequenzen des Sprachkontakts zwischen Norwegisch, Samisch und Kvenisch einerseits und der Entwicklung in einem sprachlich heterogenen urbanen Milieu andererseits. Dabei zeigen sich in beiden Fällen Reduktionen des Genussystems (von maximal drei über zwei Genera bis zum Extremfall des Verschwindens von Genus als grammatischer Kategorie). Allerdings lassen sich diese Entwicklungen nicht völlig parallel erklären. Zwar gibt es Gemeinsamkeiten der beiden Kontaktkonstellationen, aber je stärker die sprachsozialen Bedingungen im Detail betrachtet werden, desto deutlicher werden die Unterschiede in den zugrunde liegenden Sprachwandelmechanismen.